Spoilerwarnung

Für die Storyline der Memoiren eines Lichtträgers fanden unter anderem folgende Romane und Abenteuer Verwendung:

Romane:

Abenteuer:

Daneben fanden folgende Sourcebooks Verwendung:

Sourcebooks:

Es werden also möglicherweise Details und Fakten erwähnt, über die ein Spielercharakter in der 6.Welt nicht verfügt. Gleichzeitig weisen wir ausdrücklich darauf hin, daß unsere Story nicht dem Shadowrun-Kanon folgt.

Zur Kenntnis genommen, trotzdem lesen…

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Location: Brachial

Locationart: Trinkhalle / Bar / Runnertreff
Lage: Offenbach, Groß-Frankfurt, ADL
Besitzer: Susanne Katsaros
Beschreibung:
Das in einer Industriebrache in Offenbach gelegene Brachial wurde 2059 von Susanne, wie sie sich von allen ihren Gästen nennen läßt, eröffnet.
Hier konnten die Arbeiter der AG Chemie nach ihrer Schicht versuchen, sich den Geschmack der Chemikalien von der Zunge zu spülen. Die Einrichtung des, praktisch nur aus einem Raum bestehenden, Trinkertreffs ist dementsprechend spartanisch und besteht neben dem Tresen, hinter dem täglich Susanne steht, nur aus einigen Stehtischen.
Susanne begann schnell eigene alkoholische Kreationen zu entwickeln, wofür sie ein besonders Talent zu besitzen scheint.
Innerhalb von zwei Jahren sprachen sich ihre besonderen Alkoholika in der Frankfurter Schattenszene rum, so daß ihr Laden zu einem angesagten Treffpunkt für Runner wurde.
Da das Brachial am Rande Offenbachs praktisch außerhalb des Einsatzbereiches der Frankfurter Polizei liegt und Susanne gute Kontakte zu den örtlichen Grauen Wölfen unterhalten soll, kann man hier nach einem Run in Ruhe anstoßen, solange man mit den Wölfen keinen Ärger hat.
Besonderheiten:
Die örtliche Gang der Grauen Wölfe hält hier wöchentliche Meetings ab, zu denen ein Teil der Trinkhalle durch eine ausfahrbare Faltwand abgeschottet wird und nur Mitgliedern der Grauen Wölfe der Zugang gestattet wird.
Zugehörige:
Susanne
Verkehrende:
Cymorekova, Grimm, Shredder, Toy, Graue Wölfe

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MeL 31: Pfui Spinne Part 4 / Fund / Timecode 05.12.2054 / 22:35:00

Ich saß da also auf dem Dach und begann mich zu langweilen, weil ich kaum was von meinen Leuten hörte. Sie hatten in den Kellerräumen ein Loch in der Wand gefunden, das sich als ein wie mit Säure in die Lava gefressener Gang entpuppte, der endlos zu sein schien und in dem der latente Verwesungsgestank, der die Anlage durchzog, stärker zu sein schien. Dem wollten sie folgen, und ab da wurde die Funkverbindung langsam aber sicher immer schlechter. Das gefiel mir gar nicht, aber mir waren wirklich die Hände gebunden.

Dann bekam ich nach viel zu langer Zeit, bei der mein Zeiteisen mir frech vorschwindelte, es wären erst sieben Minuten vergangen, wieder ein Signal. Es war Dust, und sie berichtete, daß sie JD gefunden hätten und auch gleich den Wendigo, den unser Johnson jagen wollte. Blöd, daß JD bewußtlos im Würgegriff des Wendigos hing, als unsere Crew auf den Plan trat, und sie Zeugen werden konnten, wie das mit der Regenerationsfähigkeit dieser Wesen so aussieht. leon hatte nämlich die schlaue Idee gehabt, mit einem wohlgezielten Hieb ihrer Monopeitsche den Arm des Wendigos abzutrennen, der JD hielt. Der Wendigo war daraufhin umgefallen und hatte unseren Kumpel fallengelassen, und noch während der Johnson den Critter mit irgendeinem KO-Zeug transportfertig machte, wuchs dessen Arm bereits nach. Zum Glück oder auch dem Plan des Johnsons folgend, blieb der Wendigo tatsächlich bewußtlos, so daß sie ihn und JD langsam aber stetig Richtung Ausgang tragen konnten.

Es hätte so schön enden können. Immerhin hatte uns der Auftraggeber einen Haufen Kohle versprochen, wenn wir ihm die Wendigojagd ermöglichen, also hätte es genau so enden sollen.

Tat es natürlich nicht.

Denn plötzlich kamen diese drei Typen von irgendwoher angelatscht und stiefelten über das Gelände geradewegs in Richtung der Halle, in der meine Gang verschwunden war. Zwei von ihnen waren in Panzerung gehüllt, die in etwa so aussah, wie man es sich vorstellen würde, wenn man Ritterrüstungen an heutige Erfordernisse anpassen müßte, und in ihrer Mitte hatten sie einen.. nuja, einen Priester, hätte ich gesagt. Ich konnte mir natürlich vorstellen, daß ausgerechnet in einem Bezirk, den man Hell’s Kitchen nennt, ein Kruzifix allein einem Pfaffen nicht helfen würde, aber die Aufmachung dieser Figuren war wirklich etwas sehr übertrieben. Dann fiel mir wieder ein, daß mein Kontakt von einem Abgesandten des Vatikans gesprochen hatte, der die Spidermen sucht. Und auf deren Hausdach stand ich ja gerade. Das da unten war also Mr. P. Rinaldo aus Rom mit zwei Aufpasser-Boilershirts. Aha. Ich gab eine Schilderung dessen nach unten, was ich gerade sehen durfte, dann setzte sich der Priester vor der Eingangstür in den Schneidersitz und begann zu … meditieren? Seine Blechdosen machten derweil einen wichtigen Eindruck indem sie sehr schön und wunderbar synchron ihre Schwerter zogen und in Habacht-Stellung gingen, waren aber offenbar ein wenig blind, denn den recht ansehnlichen (und ansehnlich großen) Heli auf dem Dach der Halle hatten sie nicht gesehen, als sie sich näherten. Und ich blieb natürlich in Deckung.

Plötzlich quakte Dust mit offensichtlicher Panik in mein Ohr: „Sille, mach den weg!!“ Leonora mischte sich in den Stream und heulte gequält „Neeeein, nicht!“ Und ich reagierte. Dust hatte eine militärische Ausbildung genossen, und wenn sie so direkt ein Ziel angab, dann war das nicht zum Spaß. leon hingegen… ich konnte mir vorstellen, daß sie vor allem buckelte, was nach Kirche aussah, denn das war im Land des Vatikans wahrscheinlich schon seit Jahrtausenden Usus, und Dusts Zielangabe mußte für sie so etwas wie ein Frevel sein. Ich tat also, was getan werden mußte und schickte eine sauber gezielte Granate vom Dach mitten in die kleine Gruppe. Soweit der Plan, zumindest. Ich hatte leider nicht damit gerechnet, daß Vaticano-Rinaldo sich einen superschönen und sehr effektiven Panzer gezaubert hatte, bevor er sich hinsetzte. Auf der anderen Seite hatte der Pfaffe bestimmt nicht damit gerechnet, daß ich explosive Eier hatte.

Ich schickte also den Knallbonbon hinunter, und etwa fünf oder sechs Meter oberhalb des Priesterkragens explodierte er. Ich konnte sehen, wie die Detonationswolke an einer halbkugelförmigen, unsichtbaren Barriere abfloß, aber der Priester wurde durch die Druckwelle ordentlich umgeworfen. Ich hörte aus meinem Kom noch ein „MACH SCHON!“ von Dust, als meine zweite Granate diesmal ohne Ablenkung ihr Ziel fand und genau im Gesicht des Priesters zündete. Italienische Fleischfetzen flogen in alle Richtungen, und einer der beiden Konservenmänner wurde von der Druckwelle gegen genau den einen Stahlträger geschleudert, der mich erst auf die Idee gebracht hatte, mich hier oben zu positionieren, wo er regungslos liegenblieb. Den anderen hatte es weniger stark erwischt, denn er schaffte es noch, eine HK MP7 zu greifen, aber er war nicht mehr koordiniert genug, um noch vernünftig auf mich anlegen zu können. Ich wollte kein Risiko eingehen und ließ mir daher eine Zehntelsekunde mehr Zeit zum Zielen. Eine Salve später schepperte ein dreifach durchlöcherter Ritterhelm einige Meter entfernt auf einen Schuttberg, während sein ehemaliger Träger kopflos zusammenbrach.

„Dust, bitte melden“, rief ich in mein Kom. „Sag was!“ Erleichterung durchströmte mich, als ich ihre Antwort hörte. „Du bist der Beste, Kurzi. Der Elementar ist weg. Wir kommen in einer Minute da raus.“ Elementar? WTF?

Ich ließ mich kurz zusammensinken, dann sprang ich in den Hubi und startete den Motor. Ich war gerade unten gelandet, als die Gang auch schon aus der Halle kam und die beiden Bewußtlosen mit sich schleppte. Nachdem der Nutzlastcontainer gefüllt war, machten wir, daß wir wegkamen.

Unterwegs ließ ich mir von Ator erzählen, was für einen Elementar die Gang da unten getroffen hatte, und hätte kichern mögen, wenn es nicht so ernst gewesen wär. Wenn selbst Dust in Panik geriet, mußte die Opposition heftig gewesen sein. „Das kannste laut sagen“, ereiferte sich der Schmane. „Ein wahrhaft riesiger Feuerelementar in biblischer Ikonografie. Sozusagen ein flammender Erzengel mit flammendem Schwert. leon hat natürlich sofort im Staub gelegen und mit ihrer in dieser Situation extrem hilfreichen Beterei angefangen, während Dusty und ich lieber das Ding mundan und astral angriffen, nachdem es uns rösten wollte. Der Feuerengel war aber so heftig, daß wir wahrscheinlich den kürzeren gezogen hätten, wenn du nicht an der besten Position ever gewesen wärst.“

Ich nickte. „Wir hatten aber auch echt Suppe. Wenn die den Hubi gesehen hätten, hätten sie sich womöglich irgendwohin gesetzt, wo ich nicht hätte draufspucken können. Egal. Das Ergebnis zählt.“ Damit war das Thema für uns erledigt, und wir konnten uns um die wichtigen Dinge kümmern. Wir mußten nämlich noch sicherstellen, daß eine Untersuchungskommission des Vatikans keine Spuren finden konnte, die zu uns führen könnten. Wir entwickelten in aller Kürze den Plan, die komplette Anlage mit Brandbomben einzudecken, um ganz sicher zu gehen. Dafür jedoch mußten wir den Bonus für Butchers Arm sausen lassen.

Doch zuerst flogen wir zu dem Ort, an dem der Johnson zugestiegen war und er einen LKW geparkt hatte. Wir halfen noch beim Umladen des immer noch bewußtlosen Wendigos, und der Johnson fragte noch nach erweitertem Begleitschutz für die Übergabe des Materials an seinen Kunden. Als er allerdings hörte, daß dafür Extragebühren fällig würden, kniff er sich sein Mädchengehabe, gab uns das versprochene Geld und rauschte davon.

Als wir starteten, fiel mir noch etwas ein. Ich öffnete das Interkom und fragte ins Lastmodul: „leon, jetzt wo der Paradiesvogel weg ist – ich hab da noch was. Ich hab dich vorhin gesehen, als du in die Halle rein bist, und das sah irgendwie komisch aus. Ich hab nur nichts von dir gehört. Was war da los?“
leon antwortete erst einige Sekunden später. „Wie konntest du mich sehen? Ich war doch in einem Tunnel…“
Ich stutzte. Ach so? Mißtrauisch geworden, schilderte ich ihr meine Eindrücke vom Hallendach und wie ihre Bewegungen auf mich gewirkt hatten. Dann war es an ihr, etwas perplex zu sein. Zögernd antwortete sie: „Als ich durch die Tür gegangen bin, fand ich mich in einem Tunnel wieder, der mit so kleinen Stacheln besetzt schien. Nicht spitz genug, um mich zu verletzen, aber sehr eng und bewegungseinschränkend, und ich bin mit allem möglichen immer wieder an diesen Mistdingern hängengeblieben. Nachdem du deine Granate abgefeuert hattest, war das weg, aber jetzt, wo du’s sagst, fällt mir auf, daß ich keine Fetzen von diesem Ding gesehen hab.“ Ich wollte gerade zu einer etwas gewagten Hypothese ansetzen, als Ator neben mir zu sprechen anfing. „Au Backe, das würde das erklären.“ Ich atmete wieder aus und harrte einer genaueren Erklärung. Offenbar war mein Blick etwas zu stechend, denn er murmelte leicht verärgert „ja doch, mann“, bevor er lauter und deutlicher fortfuhr, damit auch leon alles mitbekam:
„Nachdem es geknallt hatte und du uns die komischen Überreste gezeigt hattest, hab ich nochmal einen astralen Rundblick geworfen, und ich konnte sehen, daß diese Wesen magisch gewesen waren, aber es gab da noch eine … hhmmm … sagen wir, nachleuchtende Spur in der Nähe der Tür und länglich in die Halle hinein führend. Als ob dort ein Zauber gewirkt worden wäre, aber“ hier bekam seine Erzählung einen vorwurfsvollen Tonfall, „es hatte ja niemand etwas von einer magischen Einwirkung erzählt, daher war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich richtig gesehen hatte. Solche Spuren verflüchtigen sich recht schnell.“
Ich nickte. Eine magische Falle, die in dieser Situation dazu geführt hätte, daß niemand aus unserer Gruppe seine Nah-oder Fernkampffähigkeiten hätte ausspielen können, während die Verursacher von „draußen“ mit beliebig viel Schmackes auf uns eingehackt hätten. Wir waren haarscharf an einer echten Katastrophe vorbeigerauscht. Memo an erst mich selbst und dann bei der nächsten Teambesprechung an alle: mehr sinnvolle Kommunikation.
Dust machte sich während des Fluges in Fortführung des zuvor gefaßten Plans daran, mit ihrem Riggerkumpel die Flächenbombardierung der ganzen Anlage auszumachen. 75 Dicke wollte der Kerl haben, aber wenn uns das ein Rachekommando des Vatikans ersparen würde, waren wir sehr sicher, daß es uns das wert war. Denn wie ich mir von Dust bestätigen lassen konnte, war der Elementar wirklich einer von der ganz harten Sorte gewesen, und sie waren beide sehr froh, daß sie per Umweg über das Ableben des Beschwörers einigermaßen glimpflich davongekommen waren. Leonora hingegen jammerte, nun ohne Punkt und Komma, da der Johnson, deretwegen sie sich vorher etwas zurückgenommen hatte, inzwischen weg war, die ganze Zeit herum, was für ein Kack wir da veranstaltet hätten, und das hätte man doch auch anders regeln können und überhaupt, der Pater war ein Mann Gottes und so weiter und so fort. Wie ich es mir gedacht hatte. Tausendfünfhundert Jahre Gehirnwäsche hinterlassen ihre Spuren.

„Wenn die nicht gleich die Klappe hält, werf ich sie raus“, schimpfte ich. Ator, der neben mir in der Kanzel saß, grinste. „Ja, die heult nur rum, obwohl dieser Elementar ziemlich unchristlich drauf war.“ Ich wollte schon die Interkomverbindung zum Lademodul kappen, damit endlich Ruhe war, aber aus irgendeinem Grund hielt ich den Kanal doch offen.

„Jetzt müssen wir JD wieder flott bekommen“, sprach ich unseren Schamanen erneut an. „Kriegst du das hin?“
Er wiegte den Kopf. „Er sieht ziemlich übel aus, und ja, ich kann es versuchen, wenn die zugrundeliegende Verletzung nicht schon zu alt ist. Geh bei nächster Gelegenheit runter, damit ich mir den ansehen kann. Hast ja recht.“ Er zog sein schiefes Grinsen, und ich war froh, daß wir alles einigermaßen gut überstanden hatten.

Ich suchte noch nach einem geeigneten Landeplatz, als aus dem Interkomkanal plötzlich Flüche und Schreie drangen. „Merda!“ „Was zum FUCK!??“
Ohne Umschweife nahm ich den kompletten Auftrieb aus dem Rotor, so daß wir fast frei fielen. Ich mußte so schnell wie möglich landen, um überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, irgendetwas zu tun – etwas, von dem ich noch nicht wußte, was es sein müßte. Aber sowohl leon als auch Dust hatten erschreckt und bestürzt geklungen, und das war ein schlechtes Zeichen.

Ich gab ein kurzes Warnzeichen nach hinten, dann fing ich den Flattermann ab, und 3g preßten mich in die Polster. Über die Komleitung hörte ich wieder leon, die jetzt etwas Unverständliches brabbelte. Eher Wehklagen als Panik. Sie verstummte erst, als ich hart auf einem Sandhaufen landete. Als ich dann mit der AK im Arm die Tür zum Lademodul öffnete, wurde mir das Ausmaß der Misere bewußt. JD, oder besser gesagt, die Leiche des Wesens, das dereinst Max Brody gewesen war und der für uns in doppelter Hinsicht immer ein John Doe geblieben war, lag im Hubschrauber, fein säuberlich getrennt nach Wendigo-Kopf und Wendigo-Körper. Dust stand hochaufgerichtet mitten in der Kabine und blickte zu Boden, das LMG in der Armbeuge, während leon auf einer der Bänke saß, das Gesicht in den Händen verbarg und sich Vorwürfe machte.

„Ich bin so scheiße. Ich wollte ihn nur aus dem Griff des Wendigos befreien, und die Monopeitsche war das einfachste. Mann! Ich dumme Fotze. WENDIGO! EmmEmmVauVau! Ork. Blut, das überall hinspritzt. Ich hab ihn infiziert. Fuck! Fuckfuck!“ In hilfloser Wut hieb sie sich auf die Knie.

Mir wurde übel. Wir hatten ein Teammitglied retten wollen und waren dann doch so schlau gewesen, auf dem letzten Meter zu verkacken. Gründlich zu verkacken.

Ich begann an diesem Abend, das erste Mal wirklich ans Aufhören zu denken.

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Die Mär von Polychrom 1: Positionsbestimmung / Timecode 24.10.2062 / 17:30:00

Irgendwie roch es nach Heimat oder zumindest nach einem Ort, an dem er sich lange Zeit so gefühlt hatte. Wieso ausgerechnet hier und jetzt? Grimm blickte sich um. Eine große Wellblechscheune, darum herum Brachland. Einige Bäume in etwa achtzig Metern Entfernung markierten den Verlauf einer Straße, von der es keinen asphaltierten Weg zur Scheune gab. Nichts hier erinnerte ihn an irgendwas.
Trotzdem ließ sich das Gefühl nicht abschütteln, daß ihn, seitdem er vor über einem Monat mit seinen Seattler Chummers in der ADL aus dem Heli geworfen worden war, beschlich.
Sie waren aus der Ukraine gekommen, wo sie für eine Geheimgesellschaft, den Orden der Lichtträger, in eine Alchera hatten eindringen sollen.
Der Zwerg schaute auf seine dunkelroten Hände und drehte sie im Licht der untergehenden Sonne.
Eine Alchera! Die Wissenschaft war nicht bereit ihre Existenz zu erklären, aber sie waren da. Manifestationen von Gebäuden und, wie sie herausgefunden hatten, Wesen aus anderen Zeiten, möglicherweise anderen Dimensionen.
Sein Blick fiel auf die dunkle Stelle auf seiner Handinnenseite, an der sich seine Smart-II-Verbindung befand. Für einen Zwergen hatte er fast zierliche Hände, aber sie waren schnell Dank der Magie, die durch sie floß und SURGE hatte sie mit Klauen bewaffnet.
In dieser Alchera waren sie nicht nur auf ein Meer gestoßen, welches sicherlich nicht auf diesem Planeten zuhause war, sondern auch auf eines der schrecklichsten Wesen, auf daß der Zwerg in seinem Leben, soweit er sich erinnern konnte, bisher getroffen war. Irgendwie fröstelte es ihn noch immer, wenn er an das gallertartige, tentakelbewehrte Vieh zurück dachte. Und er fragte sich, ob seine Chummer auch ab und an von diesem Ding träumten. Die Lichtträger hatten es den Feind genannt. Grimm war sich nicht ganz sicher, was das bedeutete, aber freundlich war das Vieh auf  keinen Fall gewesen.

POLYCHROM. So hatten sie sich erst kurz vor ihrem Abflug aus Seattle getauft. Ein passender Name, wie der Ki-Adept fand.
Während Werewolf, mit seiner linksseitig ausgeprägten Granithaut, als Ork noch fast als unauffällig durchging, wirkte Ares, der andere Zwerg in ihrem Team, mit seinem violetten Flaum am gesamten Körper und seinen einziehbaren Krallen, manchmal wie ein überdimensionales Küken. Die beiden Menschen Malcolm, mit seiner Löwenmähne, den orangenen Augen und der, wenn auch hautfarben, geschuppten Haut, Male Rigger mit ihrer blauen Haut und dem, einem Heiligenschein ähnelnden, Hornkranz und als krönender Abschluß Monster, eine riesenhafte Zyklopin mit schwarz-roter Haut und einem Federkranz auf dem Kopf.
Er hatte sich gleich am ersten Abend wohl und aufgehoben in dieser Runde gefühlt. Das erste Mal, soweit er sich erinnern konnte.
Okay, seine Erinnerungen waren ihm zu einem großen Teil während des SURGE-Prozesses abhanden gekommen, es hatte ihn einige Mühe gekostet, die letzten knapp fünf Jahre in den UCAS zu rekapitulieren, und der erste Abend mit seinem neuen Chummern war auch in einem Desaster geendet, über daß keiner von ihnen mehr sprechen mochte, aber er fühlte sich wohl in der Runde dieser Changelinge. Keiner, der ihn wegen seinem dunkelroten Hauttugor oder seinen Klauen anstarrte und niemand, der unnötige Fragen stellte.

„Hey Grimm, was bist du schon wieder am Grübeln?“ kam aus der großen Scheune hinter ihm, die sie gemeinsam angemietet hatten. Monster kam, sich streckend, auf ihn zu. Ihre Ortho-Skin ließ sie auch im Freizeitmodus nicht wirklich weniger einschüchternd wirken, als voll gerüstet und wenn man einmal gesehen hatte was übrig blieb, wenn Monster mit der bloßen Faust ein Gesicht traf, wusste man, was Zyklopenpower mit titanverstärkten Knochen anrichtet und wollte es nicht erleben.
„Ach, ich weiß auch nicht. Ist einfach viel passiert in den letzten Monaten.“ und das war nicht einmal gelogen.
„Stimmt schon, aber ist doch alles gut gelaufen. Wir sind alle fit, unsere Sachen sind da, wir haben eine Unterkunft und das Bier ist hier eindeutig besser als in good old fucking UCAS. Prost!“. Sie warf ihm ein Dosenbier zu und er fragte sich kurz, wann sie das besorgt hatte, während seine Hände wie von selbst die Dose aus der Luft holten.
„Danke…und Prost!“. Das Bier schien genau die richtige Temperatur zu haben und Grimm öffnete es für einen tiefen Schluck. Irgendwie war die Pille noch nicht ganz runter, die er vor wenigen Minuten eingeworfen hatte. „Schmerzmittel. Nichts Schlimmes, aber irgendwie muss man ja über den Tag kommen.„, redete er sich immer wieder selbst ein, auch wenn er es besser wusste.
„Und bei dir alles entspannt, Monster?“ prostete der Zwerg der Zyklopin zu.
„Klar doch! Ich bin ein wenig aufgeregt. Heute sollen wir diesen Brackhaus treffen und es geht nach Frankfurt rein. Ist bestimmt der Hammer.“. Monster war offensichtlich freudig erregt und Grimm konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
„Okay, aber vergiss nicht. Wir lassen alles zuhause, was auch nur nach Waffe riecht.“.
„Das wird schwierig.“, gab Monster zurück und roch ansatzweise an ihren beiden geballten Fäusten.
„Du weißt doch, wie er’s meint, Große!“ Werwolf war hinzugetreten und stand vorwurfsvoll dreinschauend mit verschränkten Armen neben den beiden. „Und wenn wir uns hier wirklich dauerhaft niederlassen wollen, wovon ich immer noch nicht überzeugt bin, sollten wir lernen, uns an die Regeln zu halten.“.
Grimm schaute zu ihm hoch und war sich nicht ganz sicher, welche Regeln genau der Ork meinte.
„Da wollte ich auch nochmal mit euch drüber sprechen. Also Regeln. Müssen wir jetzt einfach alles machen, was dieser Brackhaus von uns verlangt?“. Aus irgendeinem Grund levitierte Ares, so daß er auf Augenhöhe zwischen Werewolf und Monster war. „Guckt nicht so verdutzt. Ich bin es leid überhört zu werden, nur weil ich nicht mit euch auf Augenhöhe bin! Und ich bin anscheinend nicht der Einzige, der die Schnauze voll hat vom überhört werden. Ich hab‘ kurz mit Malcolm gesprochen. Der hat erstmal die Schnauze voll und hat sich eingebunkert zum Meditieren.“.
Werewolf zeigte kurz eine schuldbewußte Miene, wußte sie aber schnell wieder zu verstecken. Male Rigger kam in ihrer Standardlederkluft hinzu, in der niemand sagen konnte, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelte, wenn sie den Helm aufsetzte.
„Was herrscht hier denn für ’ne Stimmung? Ich hab doch gleich gesagt, lasst uns richtig Party machen. Aber nein, die Herren Profirunner wollten sich keine Blöße geben und sind nur einen Saufen gegangen.“.
„Es war ’ne Gruppenentscheidung, MR!“, drückte Werewolf mit anschwellender Hauptschlagader hervor.
„Aber keine wirklich einstimmige.“, gab Male Rigger pikiert zurück.
„Könnt ihr das für eure Quality-Time aufsparen? Ares hat Recht, wir sollten uns mal kurz über unseren Umgang mit unserem potentiellen Auftraggeber unterhalten.“. Grimm war, wie der Rest des Teams, die ewigen Streitereien der beiden verdrahteten Kampfmaschinen satt.

„Ok, wenn ich jetzt eure Aufmerksamkeit habe, würde ich mal anfangen.“. Ares nahm levitierend eine schneidersitzähnliche Haltung ein und verschränkte die Arme. „Wir sind uns wohl einig, daß die Show hier nichts mit dem zu tun hat, was wir in der Ukraine erlebt haben, oder?“. Als kein Widerspruch folgte, fuhr Ares fort. „Und so wie dieser Helmfuzzi von seinem Arbeitgeber gesprochen hat und nachdem was wir über Brackhaus wissen sind wir hier, um für Lofwyr zu arbeiten.“. Ares ließ die letzten vier Worte etwas nachwirken.“Die 100.000 NY-Frage ist: Warum?“.
„Hat der Typ im Heli doch gesagt. Sein Herr hält uns für nützliche Werkzeuge. Und nützliche Werkzeuge behandelt man pfleglich. Also macht euch nicht so viele Sorgen.“, gab Male Rigger zum Besten.
„Du hast sie doch nicht alle, wenn du das wirklich glaubst!“, blaffte Werewolf zurück. „Glaubst du ernsthaft, seine Großmächtigkeit Lofwyr persönlich hält uns für wertvoll?“.
„Fahr mal runter, Wolf.“, hakte Grimm ein. „Du vergisst, daß wir ihm letztendlich das Juwel der Erinnerung gebracht haben.“.
„Ja, nachdem wir ihm den Mittelfinger gezeigt und Hestaby den Vorzug gegeben haben. Toller Trick übrigens, daß sie das Ding letztendlich Lofwyr überließ.“. Der Ork schnaufte verächtlich.
„Jetzt hört mal auf, euch den Kopf über Drachensachen zu zerbrechen. Das bringt nichts!“, brachte Monster das Ergebnis unzähliger Diskussionen des Teams über Drachen und deren Motivationslagen vor.

Die Runner hatten im Rahmen eines rituellen Wettkampfes für Hestaby verschiedene Runs erledigt und waren mehreren Großdrachen begegnet. Lofwyr hatten sie einen Deal verweigert, nur um ihm schließlich doch den Preis zu überreichen.
Sie waren von einem vorgeblich unsterblichen Elfen namens Goronagee gerettet worden, um letztendlich in einer Kooperation des Ordens der Lichtträger mit Goronagee in die Alchera einer Stadt aus der 4.Welt geschickt zu werden, wo sie auf eine Kreatur des Feindes gestoßen waren. Ein Wesen, dem sie nichts entgegen zu setzen hatten.
Schließlich wurden sie alle schwer verwundet von einem Kontrupp festgesetzt, der sie, mit der Auflage sich in die Schatten von Frankfurt zu integrieren und ein offenes Ohr für Geschäfte mit Herrn Brackhaus zu haben, in Offenbach, Groß-Frankfurt, ADL, abgesetzt hatte.
Sie waren dem ersten Teil der Abmachung gefolgt und hatten erste Kontakte in die Schatten geknüpft und für die elfische Schieberin Cymorekova bereits einen Job erledigt.

Sie sollten eine Drohne, die Cymorekova auf schattigen Kanälen bestellt hatte und die bei der Zustellung verloren ging, auftreiben.. Irgendjemand musste sie gefunden haben und den Peilsender deaktiviert haben, der ihren letzten Aufenthaltsort verriet.
Die Runner machten sich auf die Suche in Mainz am über die Ufer getretenen Main und stießen schließlich in einem aufgegebenen Schnellrestaurant auf einen Fluß-Kult, geführt von einem möglicherweise toxischen Magier. Der Kult wurde vom Team ausgelöscht, die Drone in Besitz genommen.
Als die Runner das Schnellrestaurant verlassen wollten, gerieten sie in einen Hinterhalt von Konsicherheit. Wie Grimm im Laufe der Schießerei bemerkte handelte es sich um Proteustruppen.
Es gelang den Runnern ihr Fahrzeug zu erreichen, welches unter dem Feuer der Konsicherheit einigen Schaden nahm, und zu entkommen. Allerdings musste Male Rigger eine Doberman-Drone zurücklassen. Ein Verlust, der zu verschmerzen war, da sie noch eine zweite besaß und den Runnern, bei den Kultisten eine magische Waffe in die Hände fiel, die den finanziellen Verlust mehr als wett machte.

Das waren Jobs die sie konnten. Keine Verschwörungstheorien um unsterbliche Elfen. Kein Ränkespiel zwischen hochintelligenten, mit unermesslichen Mitteln ausgestatteten Drachen. Keine Gallertmonster aus fremden Dimensionen.
Jedem von ihnen war das bewusst und wahrscheinlich sorgten sich alle, daß ihr einfaches Runnerleben wieder kompliziert wurde durch Hans Brackhaus.

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NSC: Cymorekova


Name: Cymorekova
Rasse: H.s. nobilis
Beruf: Ex-Militär Rote Armee / Schieberin
Aufenthalt: Frankfurt-City, Groß-Frankfurt, ADL
Zugehörigkeit:
Verbindungen: Shredder, Toy, Graue Wölfe, Haus Teleam, Polychrom, Rote Armee
Gegenspieler:
Hintergrund:
Die als Nigina Cymorkova 2012 in Russland geborene Elfe arbeitete einige Jahre für den russischen Miltärgeheimdienst. Zuletzt, nach dem 1. Eurokrieg, als Verbindungsoffizier zur damals noch bestehenden Bundesrepublik Deutschland. Als sich die Rote Armee Mitte der 30er Jahre aus Europa zurückzog, nutzte sie ihre Verbindungen und machte sich als Runner selbständig.
Bis der, 2033 gegründete, Elfenstaat Pomorya 2045 der ADL beitrat, soll sie mehrfach für das Haus Teleam gearbeitet haben.
Ende der 40er tauchte sie in Berlin auf, wo sie sich als Schieberin etablierte, die auch militärische Hardware besorgen konnte. Da sich dies nicht allein auf Waffen, sondern auch Elektronik und Cyberware bezog, verfügte sie bald über ein weitreichendes Netz von Kontakten in der Stadt.
Seit jener Zeit gibt es immer wieder Gerüchte über ihrer Cyberware. So soll sie neben Reflexboostern auch über Pheromondrüsen verfügen, um ihr natürliches Charisma, besonders in Verhandlungssituationen, zu unterstützen. Wobei sie oft auch aufgrund ihres jugendlichen Aussehens unterschätzt und vergessen wird, daß sie bereits 50 Jahre alt ist.
Nach dem Ende des Status F verließ sie Berlin und wurde in Groß-Franfurt heimisch. wo sie auch als Fr. Schmidt in Erscheinung trat.
2060 heuerte sie den Decker Shredder für einen Job an, in dessen Verlauf er die Elfe Toy kennenlernte. Sie half den beiden beim Untertauchen und seither verbindet die drei eine tiefe Freundschaft.
Sie soll in Frankfurt über gute Kontakte zu den Grauen Wölfen verfügen und verkehrt regelmäßig im Brachial, wo auch die Grauen Wölfe Versammlungen abhalten.
Im Herbst 2062 war sie eine der ersten, die dem Seattler Runnerteam Polychrom in der ADL Jobs vermittelte.
Matrixname:

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NSC: Shredder

Name: Shredder
Rasse: H. sapiens sapiens
Beruf: Decker / Runner
Aufenthalt: Sachsenhausen, Frankfurt a. M., ADL
Zugehörigkeit: Partei X
Verbindungen: Cymorekova, Gwen, Murat, Toy, Tscherno, Polychrom
Gegenspieler:
Hintergrund:
Shredder, Mitte der 30er Jahre geboren, stammt mutmaßlich aus London, Vereinigtes Königreich Großbritannien, wo er für Hildebrandt-Kleinfort-Bernal gearbeitet haben soll.
2055 tauchte er in Frankfurt a. M., ADL auf und eröffnete hier einen Techladen in Sachsenhausen.
Seine Fähigkeiten als Decker sicherten ihm in den Schatten von Frankfurt schnell ein höheres Einkommen, als sein Laden abwarf. Bis 2060 arbeitete er stets allein und erledigte in der Hauptsache „Lösch-Aufträge“.
2060 lernte er, bei einem von der elfischen Schieberin Cymorkova vermittelten Job, die Elfe Toy kennen, deren gesamte Matrixvergangenheit er löschte und ihr so als unbeschriebenes Blatt Zutritt in die Schatten von Frankfurt verschaffte, wo die beiden mit Hilfe von Cymorekova zunächst untertauchten.
2061 gründeten Shredder und Toy gemeinsam mit dem Rigger Tscherno das Runnerteam „Partei X“.
Nachdem das Team im Juni 2062 vom Seattler Runnerteam Polychrom aus Lone Star-Gefangenschaft in Seattle, UCAS, befreit wurde, traf sich Shredder im Oktober des gleichen Jahres mit Mitgliedern von Polychrom in der Offenbacher Trinkhalle „Brachial“ in der ADL.
Matrixname: Shredder

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MeL 30: Pfui Spinne Part 3 / Suche / Timecode 04.12.2054 / 01:55:00

Da uns natürlich die Neugier plagte, waren wir mit einem gestohlenen LKW zum South Harbor in Tacoma gefahren, um uns anzusehen, was da so abgeht. Nur halbwegs überraschend hatten wir eine Abordnung Spidermen vorgefunden, die ein aus Asien gekommenes Schiff entladen hatten. Das wäre an sich ja nicht so schlimm gewesen, aber Dust hatte festgestellt, daß die Spinnenboys unter Schutz von auf dem Deck herumstehenden Leuten mit dicken Bleibeschleunigern Kisten vom Schiff holten, die irgendwie nach noch mehr Bleibeschleunigertransportkisten aussahen – und daß die Geschäftskunden aus Asien nach Triaden schrien, daß man damit ein ganzes Stadion Seahawks-Fans hätte übertönen können. Zwanglos ergab sich aus dieser Beobachtung allerdings auch, warum leons Schieber so interessiert daran war, zu erfahren, wer da in sein Becken pinkelte.
Das ganze Setting hatte was von einem Action-Trid, und leon hatte recht passend eine Idee zum weiteren Vorgehen vorgelegt, die mir gar nicht behagte, aber ich denke, sie hatte auch mal zeigen wollen, was sie so drauf hat. Ich war allerdings von den anderen überstimmt worden, die aus mir nicht einleuchtenden Gründen offenbar Gefallen daran gefunden hatten. Könnte sein, daß Ator wirklich nur zufällig gerade einen Zauber gekauft hatte, der hier wie der sprichwörtlich Arsch auf den Eimer paßte. Könnte sein, daß Dust schon immer mal „Frieden durch überlegene Feuerkraft“ spielen wollte. Aber warum mußte immer ich die Spaßbremsen-Rolle bekommen?

Am Ende hatte jeder sein Theaterstück aufgeführt, während ich mir drei Zeigefinger abbiß, weil es mich nervös machte, daß ich im Havariefalle nirgendwo eingreifen konnte.
leon hatte lautlos über die Befestigungstaue das Schiff geentert und die Wächter aus dem Spiel genommen, Dusty-Baby hatte dann passend dazu ganz Actiontrid-like mit zwei Ares-LMGs vom Dach des von mir gesteuerten LKW geballert wie eine Wilde, und die gesamte Bande hatte sich verzogen oder die Köpfe hinter dicke Stahlplatten gesteckt. Alle bis auf zwei, die von einem Atorschen Schlafhammer getroffen worden waren, weil der Herr Schmane sich an einer ganz anderen Stelle günstig positioniert hatte – wo „hinter“ der Deckung zwar für Dusts Blei galt, aber aus Ators Perspektive die Jungs „vor“ der Deckung Schutz gesucht hatten. War für sie dann eben blöd gelaufen. Die hatten wir eingesackt und mitgenommen. Da unser Schamane bereits verkündet hatte, mit seiner Neuerwerbung die Wahrheit aus jedem herauszerren zu können, ohne Blutflecken zu hinterlassen, hatten wir gute Möglichkeiten, uns Infos aus erster Hand zu besorgen.

*

Ich war heilfroh, daß wir ohne Blessuren in Ators ‚Gaskammer‘ zurückkehren konnten. Dort nahm er sich die beiden Gefangenen vor. Sein neuer Verhörzauber sollte ihn dabei unterstützen, und ich war neugierig, wie er in der Praxis aussah. leon, ganz katholische Italienerin, maulte natürlich an Ators TV-Dauerberieselung durch Porn aller Art herum, wobei ihr ebenso natürlich nicht klar war, daß wir Lärm ohnehin nicht hätten gebrauchen können.
„Ähm, ist es sicher, daß diese… Videos … die Gefangenen“, sie deutete dabei auf die beiden immer noch friedlich schlafenden Spidermen, die auf Stühlen mitten im Raum saßen und ebenso friedlich verschnürt waren, „bei der Befragung, bei der sie doch bestimmt wach sein müssen, nicht verwirren oder ablenken? Es wäre doch bestimmt besser, auf alle, äh, unpassenden Reize zu verzichten, oder?“

Ator ließ sie ein wenig zappeln, dann sagte er: „Was meinste, Mister Sergeant Major Miller Sir„, wobei er die militärische Anrede übertrieben betonte, „sollten wir den armen Gefang- äh, Geretteten diese gegen die Genfer Konvention verstoßende Mißhandlung ersparen?“

Unter leons empörten Blicken antwortete ich völlig ernsthaft, wobei ich alle Beherrschung aufbrachte, die ich aus den hintersten Ecken meines Selbstbeherrschungsbeutelchens zusammenraffen konnte: „Aber Herr Gilla, natürlich sollten wir die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste auf absolut minimalstem Stand halten.“ Und ich schaffte es, den übertrieben entrüsteten Tonfall fehlerfrei beizubehalten, obwohl ich damit wirklich zu kämpfen hatte. „Wir sind doch keine gewöhnlichen Kriminellen!“ Gespielt umständlich griff ich mir schwungvoll das Bedienpanel und verwandelte mit einem gezielten Stich meines Zeigefingers die leuchtende Fläche, auf der soeben in Großaufnahme ein baseballschlägerähnlicher Metallgegenstand aus einem dadurch weit aufklaffend zurückgelassenen Rektum entfernt wurde, in eine matte, stumpfgrau reflektierende Acrylplatte. Diese Aktion kommentierte ich als Sahnehäubchen mit einem tief befriedigten „So!“
Am Rande bemerkte ich, daß Dust im Hintergrund ebenfalls damit kämpfte, nicht lauthals mit Gelächter herauszuplatzen. Aber diesen Kampf mußte sie allein gewinnen, und sie gab sich alle Mühe. Danke, Dusty.

Als sich alle beruhigt hatten, wirkte Ator seinen Zauber auf die Gefangenen, stellte seine Fragen und bekam passende Antworten. Zum einen, daß das Hauptquartier und Wohnstätte des Spinnenstamms in einer alten Gaeatronics-Anlage in – Überraschung – Puyallup, genauer gesagt, tatsächlich in Hell’s Kitchen zu finden war, und zum anderen, daß der Spinnenschamane etwas dagegen hatte, daß wir seine Jungs aushorchen. Ator hatte nämlich gerade die erste Frage an den zweiten Spiderman gerichtet, als der erste in seinen Fesseln zusammensackte. Als ich mir das genauer ansehen wollte, machte der zweite dasselbe, und Freund Schnappi sagte. „Oh. Tot. Das war wohl magisch aktiviert.“

Dust schluckte. „Und jetzt?“ Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: „Ich mein, wir können die doch nicht einfach in den Kanal werfen oder … “ der Rest war undeutliches Gemurmel. Doch leon half aus: „Wir haben vor knapp einem halben Jahr im Zuge eines Privatruns einen Herrn namens Adam Sheperd kennengelernt. Der hat als Chef einer Abfallverarbeitungsfirma ein durchaus nachvollziehbares Interesse an Leichen aller Art und hat zugesagt, die Verblichenen ihrer Weiterverwendung zuzuführen.“
An dieser Stelle mußte ich husten. So konnte man das auch sagen.
Ich war gespannt, ob leon auch erwähnen würde, daß Mr. Sheperd nicht nur beruflich „Interesse“ an Leichen hatte, sondern ihm die „Weiterverwendung“ derer ziemlich am Herzen oder besser gesagt: am Magen lag. Jener Mr. Sheperd und das Personal seiner Firma Agrippa & Associates waren nämlich Ghule, und als solche waren sie stets durch Hunger und Kopfgeldjäger bedroht und gut damit beraten, die Nähe lebender Menschen zu meiden. Jedenfalls hatten wir im Zuge dieses Runs eine kleine Vereinbarung mit ihm geschlossen, die den Passus beinhaltete, daß wir jederzeit Leichen bei ihm abgeben könnten und A&A sich um die restlose Entsorgung kümmern würde.
Aber nein, so sehr ins Detail wollte sie momentan offenbar nicht gehen. Sie schien es aber eilig zu haben, die Last loszuwerden, und begann, mit Ator zusammen die Leichen zu verladen. Als sie gerade die Arme des zweiten Opfers griff, fiel ihr etwas ein. „Äh, Dust, liebes“, wandte sie sich an die Soldatin, „ich denke, du kommst lieber nicht mit. Uns kennt er, aber die geraten dort wahrscheinlich alle in Panik, wenn sie dich sehen. So harmlos, daß die sich nicht vor dir fürchten, kannst du dich gar nicht kleiden.“ Auf diese nicht unwichtige Idee war ich gar nicht gekommen, und ich gab ihr da gerne recht.

Bei ihrer Rückkehr war es bereits 0400, so daß wir uns lieber noch mit einer Mütze Schlaf ausstatteten und den Sturm auf Gaeatronics auf den nächsten Tag verschoben.

Timecode 05.12.2054 / 16:00:00
Wir trafen uns wieder bei Ator, dessen Behausung für Nichtalligatoren allgemein wenig einladend war, in unserem Falle aber bereits einen Vertrautheitsbonus hatte. Durch die Nutzung verschiedener Informationskanäle hatten sich einige interessante Dinge ergeben. Da waren:

* eine Quelle hatte sich bei mir gemeldet und berichtet, daß ein Abgesandter des Heiligen Stuhls mit dem Namen Pietro Rinaldo in Seattle weilte und sich für die Spidermen interessierte. Obendrein bekam ich einen Anruf von Mr. Anson Helm, der nachfragte, ob es in meiner/unserer Machbarkeit wäre, einen Auftraggeber ausgerechnet nach Hell’s Kitchen zu begleiten. Da wir ohnehin dorthin wollten, behielt ich mir vor, ein Gespräch mit dem Herrn zu suchen. Bei Interesse sollten wir uns an diesem Abend um 2100 im Club Penumbra einfinden. Dort würde uns ein „Mr. Johnson“ ansprechen.

* Leon hatte ihren Schieber Fred im Lazarett besucht. Der wollte zuallererst wissen, wer da was mit den Spidermen macht und war durchaus zufrieden, als leon ihm die Ergebnisse unseres Hafenausflugs vorlegte. Er hatte noch etwas Geld für uns, wenn wir diese Geschäfte unterbinden würden und wollte einen dicken Bonus drauflegen, wenn leon ihm Butchers rechten Arm bringen würde. Unnötig zu erwähnen, daß sie begeistert eingeschlagen hatte.

* Dust war über ein Trid gestolpert, das in einem der vielen Lokalsender lief. Demnach waren in einem Kühlcontainer in den Docks am Tacoma South Harbor etwa 200 menschliche Herzen gefunden worden – eine Lieferung, die keine der offiziellen Transplantationskliniken beauftragt hatte (und die selbst in jenem Falle garantiert nicht ausgerechnet dort angelandet wäre).

Nebenbei hatten wir noch ein wenig Hintergrundrecherche zu Gaeatronics durchgeführt, waren aber zu der Auffassung gelangt, daß der Konzern nicht darüber informiert war, wer dort in ihren Ruinen lebte. Das würde uns zumindest der Sorge entheben, auch noch mit Konzerntruppen rechnen zu müssen, die Firmeneigentum verteidigen wollen.

Das hieß für uns: erst ins Penumbra und Johnson checken, dann ausrüsten und Abmarsch. Den Weg nach Hell’s Kitchen wollten wir in einem gemieteten Heli zurücklegen, da die Straßen in Puyallup in chronisch schlechtem Zustand waren und nichts die Bewegungsflexibilität einer Rotormaschine toppen konnte. Zufälligerweise konnte mein Lieblingsschieber gegen eine kleine Gebühr von 50k ein solches Vehikel klarmachen. Wir schwammen ja sozusagen in Geld, also überlegten wir nicht lang und nannten diese Verschwendung „Investition in Sicherheit“. Man kann ja nie wissen …

Timecode 05.12.2054 / 22:30:00
Es zahlte sich immer aus, ein paar Aktionssofts in der Tasche zu haben – zumindest, wenn sie zu den Talentleitungen paßten, die man hatte. Jedenfalls hatte der Chip „Hubi fliegen 101“ uns der Notwendigkeit enthoben, Fremdpersonal einzukaufen. So konnten wir direkt dorthin fliegen, wo wir gebraucht wurden.

Das Treffen mit dem Johnson war eine echte Überraschung gewesen. Kaum zugesagt, hatte der junge Mann, ein knapp 1,90m großer Endzwanziger mit blonden Haaren und grünen Augen, der einen weißen Trenchcoat und weiße Handschuhe trug, uns mit den Einzelheiten seines Jobs vertraut gemacht. Wir waren fast von den Stühlen gekippt, als er uns sein Vorhaben eröffnete, in ein altes ehemals von Gaeatronics betriebenes Industriegelände in Hell’s Kitchen einzudringen, um dort Wendigos zu jagen, und wir sollten sein Begleitschutz sein. DAS Gaeatronics-Gelände. Wir konnten ihm daher bereits einen Marschplan vorlegen, den er anstandslos akzeptierte. Gegen 2200 hatten wir ihn an einem vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt und waren dann in die Ödnis abgeknattert. Aus Sicherheitsgründen hatte ich den Hubi hundert Meter entfernt vom Ziel gelandet, und den Rest waren wir dann zu Fuß gelaufen. Ich war übrigens heilfroh, daß der Johnson für den Einsatz wenigstens adäquate Kleidung trug, die auch in adäquaten Farben gehalten war. Den weißen Trenchcoat hätte ich ihm wahrscheinlich zur Not mit den Rotoren der Ares-Maschine von seinen dürren Knochen gehobelt.

Kaum hatten wir das Gelände der Anlage betreten, wurden wir auch schon entdeckt. Ein paar Schreie ertönten, dann ging schon das Geknatter aus MPs los, das von dumpfen Donnerschlägen aus großkalibrigen Faustfeuerwaffen unterstützt wurde. Allerdings waren die Wächter des Netzes keine militärisch geschulten Experten mit Felderfahrung, und so half es ihnen auch nichts, daß sie sich in ihrer hood besser auskannten. Während Dust und ich die Gegner mit Sperrfeuer belegten, nahm sich leon einen nach dem anderen in Deckung liegenden Schläger vor und meuchelte, was das Zeug hielt, und auch Ator hatte wegen seiner Astralpeilung leichtes Spiel mit den Gegnern, die so unvorsichtig waren, eines ihrer Körperteile in sein Sichtfeld zu halten. Nach etwa zehn Sekunden senkte sich Stille über die Ruinen.

Wir hasteten vorwärts, und eine Art Trampelpfad im Staub führte uns zu einer geschlossenen Tür, die uns den Zugang zu einer Halle verwehrte. Da ich nicht vorhatte, den für sündhaft viele Penunzen gemieteten Helikopter hier ohne Bewachung stehenzulassen, suchte ich nach Ideen, wie man das Gerät zusammenklappen und mitnehmen könne. Als ich den dicken senkrechten Stahlträger sah, der direkt neben der Türzarge seinen Dienst als Bestandteil der tragenden Struktur der Halle verrichtete, fiel mir etwas ein. Ich ging 20 Meter zurück und sah auf dem Dach einen Aufbau. Prima. Ich beschloß, den Versuch zu wagen.

„Leute, ich hab ’ne Idee.“ Die anderen drehten sich um. „Ich setz den Hubi aufs Dach. Da ist er sicher vor Manipulationen aller Art, und außerdem sind wir uns doch einig, daß wir nicht in einer Mausefalle sitzen wollen, oder? Ich bin da oben in überlegener Position, und mein kleiner Freund hier“, erklärte ich, während ich den Unterlauf-Granatwerfer meiner AK-98 präsentierte, „hat ziemlich explosive Eier, die Flächenschaden machen. Das muß reichen. Haltet mich über Funk auf dem Laufenden, egal was ihr seht. Und erst recht, wenn ihr wieder auf dem Rückweg seid. Friendly Fire braucht hier niemand. Wenn’s hier dampft, sag ich’s natürlich auch durch, aber ob ihr ’nen Abbruch macht, ist dann eure Entscheidung.
Also: wenn ihr hier durch diese Tür geht, sichere ich von oben gleichzeitig den Dachzugang. Danach seid ihr auf euch gestellt. Noch Fragen? Nein? Dann los. Ich hab so’n blödes Gefühl.“ Und was ich für eins hatte. Selten hab‘ ich mich darüber mehr geärgert als an jenem Tag, nicht an zwei Orten gleichzeitig sein zu können.

Gesagt, getan. In dem Moment, als leon die Zugangstür zur Halle aufriß, öffnete ich die Tür auf dem Dach. Vor mir lag ein Treppenhaus, das allerdings nur noch in Resten existierte. Die Treppe, die unmittelbar vor mir abwärts führte, war nach wenigen Metern abgebrochen, und ich konnte direkt die ganze Halle überblicken, die mit Schrott und Schutt gefüllt und bestimmt nicht so angelegt worden war. Von meiner Position aus konnte ich leon sehen, die gerade die Halle betrat und sich irgendwie seltsam bewegte, so, als würde sie sich durch einen Schlauch winden. Und ich sah noch etwas. Zwei … Dinger… mit acht dünnen Beinen, die an etwa zwei Meter große Plüschbälle erinnerten und sich in einem Bereich der Halle aufhielten, den leon bald betreten würde. Ich konnte sie dank meiner Infrarotsicht einwandfrei wahrnehmen, befürchtete aber Komplikationen, wenn die Dinger da leon früher wahrnahmen als sie die. Zum Glück konnte man da mit geeignetem Gerät Abhilfe schaffen und zu weiterem Glück hatte ich ein solches Gerät gerade zur Hand. Ich zögerte also nicht lange und setzte eine Granate aus der AK exakt zwischen die beiden zu groß geratenen Wischmopps. Es knallte ziemlich heftig und hallte scheppernd von den bröseligen Wänden wider. Aber als der Staub abzog, konnte ich nur noch auf größerer Fläche verteilte Plüschfetzen erkennen. Und als ich zu leon sah, stand sie gerade vorsichtig wieder auf, als hätte man ihr gerade Fesseln abgenommen. Ich wunderte mich zwar, gab aber kurz über Funk durch: „zwei seltsame Gegner neutralisiert. Ihr kommt zu spät, Leute.“ Um nicht als Großmaul dazustehen, dirigerte ich die Meute noch zu den Überresten, die sie etwas ratlos untersuchten. Nein, sie konnten sich auch keinen Reim drauf machen, was das für Wesen gewesen sein sollten. Dann entdeckte Dust eine Tür, vor der ebenfalls Trampelspuren zu sehen waren, und die den Weg zu einem weiteren nach unten führenden Treppenhaus freigab. Die Gang sammelte sich also, um den unterirdischen Teil des Komplexes zu raiden.

Natürlich war ich ab diesem Punkt sozusagen raus, und ich konnte nur hoffen, daß Dusts LMG-Gurte und Ators Magiepower dem Team da unten den Vorteil verschaffen konnten, den es brauchte. Ich bereitete mich hingegen auf den langweiligen Teil der Teamarbeit  vor.

Weiter mit MeL 31

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DANKSAGUNG

Ich möchte mich nach annähernd drei Jahrzehnten in den Schatten von Shadowrun bei den Spielern bedanken, die mich in all der Zeit begleitet haben.
Ohne sie wäre es nie zu all dem gekommen.
Wir hatten aufregende und interessante Zeiten.

Als Zeichen meines Dankes möchte ich sie (hoffentlich) alle hier benennen:

Jean:
Mein bester Freund seit über 35 Jahren.
Ich danke dir für:
Silencio
Fish
Savatchi
Werewolf

Volker:
Mein Trauzeuge und guter Freund, der leider nicht mehr mit uns spielen kann.
Ich danke dir für:
Cloud
Ator Gilla
Vivien Hydrogen

Urs:
Immer für eine Diskussion gut und nie nachtragend.
Ich danke dir für:
leon
Tricksy
Gu
Male Rigger

Markus:
Rollenspiel vor Regeltreue und Würfelwurf, der beste Rollenspieler, der mir begegnet ist.
Ich danke dir für:
Sailer
Bo
Icke
Grimm

Emanuel:
The One-Man-Show.
Ich danke dir für:
Jack The Muss
Puppetmaster

Adnan:
Wir hatten viel Spaß, aber du hast deine Entscheidung getroffen.
Ich danke dir für:
Dust
Izzy

Johannes:
Work meets hobby…erfolgreich.
Ich danke dir für:
Kwan Ly
Nowak
Malcolm

Timo:
Manchmal trennen sich Wege einfach.
Ich danke dir für:
Nick

Niels:
Du schaffst es immer wieder, uns zum Englisch zu bringen, wo du doch Deutsch lernen sollst.
Ich danke dir für:
Moto
Monster

Ares:
Die zweite Generation.
Ich danke dir für:
Ares

So viel zu denen, die in der einen oder anderen Form als Shadowruncharaktere in diesem Blog stattfinden.
Es gibt aber natürlich noch eine Reihe weiterer Spieler von denen ich hier jetzt bestimmt einige vergesse. Ich versuche es trotzdem und beginne mit einem besonderen Spieler:

Daniela:
Auch wenn du nie Shadowrun gespielt hast, hast du bedeutenden Einfluß auf unser Spiel ausgeübt mit einem Charakter, der durch dich in der 4.Welt entwickelt und gespielt wurde.
Ich danke dir für:
Lakzlo Donnerzahn

Schließlich bleiben Spieler, die mir als Spielleiter, in den Systemen DSA, AD&D, Earthdawn und Shadowrun, halfen, Erfahrungen zu sammeln und meine Ideen umzusetzen:
Adrian, Anne, Bela, Christian, Joni, Katrin, Lars, Lilith, Rüdiger, Thekla, Thomas, Valentin

Es war eine tolle Zeit und ich hoffe auf viele weitere unterhaltsame Stunden.
Sollte einer von Euch jemanden in dieser Aufzählung vermissen, melde er/sie sich bei mir, streue etwas Asche über mein Haupt und ergänze…

DANKE!

Manuel
Euer
Meister Darkz

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MeL 29: Pfui Spinne Part 2 / Verlust / Timecode 03.12.2054 / 03:15:00

Nachdem wir uns im „Nosferatu“ darauf verständigt hatten, unsere Connections abzuklappern, waren wir alle einigermaßen beschäftigt gewesen. Um Mißverständnisse und Timingprobleme zu vermeiden, hatte ich mich mit Dust verabredet, um Ergebnisse face2face auszutauschen, bevor wir weiteres dummes Zeug planten, und hatte ihr meinen Drittschlüssel rübergeworfen. Okay, JD war in letzter Zeit  wirklich etwas sehr wortkarg gewesen, wenn man seinen sonst sehr locker vorgetragenen trockenen Humor kannte, aber mir war die ganze Zeit nicht klar gewesen, daß bei ihm wirklich etwas nicht in Ordnung gewesen sein konnte. Es wäre jedenfalls eine deutliche Überraschung für mich gewesen, hätte mir jetzt jemand versichert, daß es zu Renrakus Standardvorgehen gehört, bei auftauchenden Schwierigkeiten bei Recherchevorgängen den Mitarbeitern Harakiri zu verordnen oder zumindest einen Marktbesuch mit Sprengstoffgürtel anzuregen. Ich jedenfalls für meinen Teil gehe normalerweise nicht davon aus, im Zuge relativ harmloser Nachfragereien bei Straßenconnections hingerichtet zu werden. Die mir dann von Dust gereichte Folie, die ich immer noch staunend in der Hand hielt, war ein gutes Indiz dafür, daß ich nicht weit genug gedacht hatte. Ich las den Text ein drittes Mal. Aber immer noch konnte ich nur dieselben sinnlos erscheinenden Buchstaben sehen:

Hi,

sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein, dann öffnet bitte gemeinsam den Koffer und tut das, was sich aus Durchsicht der darin enthaltenen Daten und Gegenstände von selbst ergibt. Ich bedaure die Notwendigkeit dieses Schrittes, aber es ist schon viel zu viel Zeit vergangen, in der viel zu wenig getan wurde und werden konnte, als daß ich es jetzt darauf ankommen lassen könnte, noch eine Sekunde zu zögern. Euch werden diese insgesamt 13 Stunden wenig kratzen, und ich hoffe aufrichtig, es euch selbst erklären zu können. Falls das nicht möglich ist, muß ich euch leider einen Peter zuschieben, dessen Schwärze ich momentan selbst nicht abschätzen kann.

ごめんね。

JD

Der erwähnte Koffer war ein normaler Koffer, groß genug, um die Habseligkeiten eines an schnelle Ortswechsel gewohnten Runners aufzunehmen. Ich konnte mir noch nicht ausmalen, wie lange er diesen Schritt bereits geplant hatte. Ich schielte auf mein Zeiteisen, das mir grünlichfahl „03:15“ anzeigte und griff nach meinem Kom, um die anderen beiden zu informieren. Zuerst versuchte ich es bei Leonora, die immer sofort eine Idee hatte, wenn es brannte. Leider bekam ich nur ihre kann-jetzt-nicht-Ansage ins Ohr, so daß ich schließlich mein Glück bei Ator versuchte. Der meldete sich prompt, aber als ich ihm den Zettel vorlas, hörte ich eine Weile nur Schweigen. „Drek“, antwortete er endlich. „Alles klar. Kommt zu mir in die Gaskammer. Ich versuche inzwischen, leon zu erreichen, dann habt ihr das nicht auch noch am Hals.“
Wir griffen Koffer, Nachricht und „leichtes Besteck“ und stürzten uns in die Nacht.

*

„Und was heißt das da eigentlich?“, fragte leon in die Runde, während sie auf die japanischen Zeichen tippte, die John Doe auf die Folie geschrieben hatte. Sie hatte mich wieder damit erstaunt, nur drei Minuten nach uns in der Gaskammer eingetroffen zu sein. Wie auch immer Ator sie hatte kontaktieren können, es hatte super funktioniert. Aber ich kümmerte mich jetzt nicht weiter darum. Die von ihr angestupste Notiz wippte heftig in meiner Hand. „Oh, ach ja“, murmelte ich. „Das ist nur eine übliche Formulierung des Bedauerns … so ein übliches ‚tut mir leid‘, etwa. Nichts von Signifikanz.“ Ich erhob etwas die Stimme. „Viel schwieriger find ich den Satz, daß er uns möglicherweise etwas zumuten will/muß, von dem er nicht weiß, wie heftig es ist. Das macht mir echt Sorgen. Normalerweise weiß er sehr gut, was er tut. Wir müssen jetzt reagieren. Wenn wir aber nun schon einmal beisammen sind: was habt ihr herausgefunden?“

leon legte den ominösen Code aus dem Koffer, den sie bei ihrem Schieber mitgenommen hatte, ebenfalls auf den Tisch.

SHP4D701000412

„Zuallererst“, begann leon, „dachte ich an eine verschlüsselte Codesequenz, aber dann fielen mir die letzten vier Ziffern auf: 0412“. Ich schaute auf Johns Notiz.

sollte ich nicht bis spätestens 1400, 0312 wieder im Quartier sein

„Stimmt“, entfuhr es mir. „Ein Datum.“

„Genau“, nickte leon. Und „0100“ ist dann möglicherweise eine Uhrzeit. Ich hab meine Connections aus dem Computersektor befragt, und die sagten zuerst was von einer Schließfachanlage, aber dann fanden sie ein Muster, das mit SH und PxDx korreliert: ‚South Harbor – Pier 4, Dock 7′. Wir haben eine Adresse. Leider keinen Plan, was da passiert. Aber das kann man doch mit einer schönen Hafenrundfahrt ändern, oder?“ Sie sprang auf, und ich mußte eingreifen, um vorschnelle Aktionen zu unterbinden.

„Nich‘ so hastig“, bellte ich. „Wir sind noch nicht fertig. Ich war ja auch unterwegs, und ich hab noch was zu den Spidermen. Die Heinzis, die wir in den Videos gesehen haben, waren vorher bei irgendwelchen Gangs oder sonstigen seriösen Vereinen Schuldnerberater oder ähnliches, was bedeutet, daß man sich ‚gern‘ und oft an sie erinnert.“
Warum mir plötzlich ein Situationsflash im Gehirn explodierte, weiß ich selber nicht, aber plötzlich sah ich im Geiste diese Ansprache:
„Guten Tag. Ich bin Ihr Schuldenberater,“ grollte der gepiercte, tätowierte und schwerbewaffnete Ork. „Sie haben Schulden, und ich rate Ihnen, diese am besten gestern zu bezahlen, da ansonsten ihre kleine Hackfresse mit meiner Axt kuschelt. Noch Fragen?“

Ich schüttelte kurz den Kopf und fuhr fort: „Insbesondere ist oder war der Troll ein unter dem Namen ‚Butcher‘ bekannter Eintreiber bei den Yaks – und es ist mir ein Rätsel, wie der da aussteigen konnte.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Jedenfalls hat mir jemand geflüstert, die ‚Spidermen‘ hießen nicht umsonst so. Und damit übergebe ich an Ator, den Experten für alles, was man dereinst „übernatürlich“ nannte.“

Der Angesprochene erwachte aus seiner Starre, in der er sich seit Beginn des Meetings zu befinden schien. Er räusperte sich kurz und stieß dann die ihm bekannten Fakten hervor:
„Also … a) die Spidermen sind offenbar von einem Schamanen gegründet worden, der Spinne folgt. Man kann bereits daraus eine Menge ableiten. Zum Beispiel den Umstand, daß sie ein zentrales Hauptquartier haben, mit dem sie ungern umziehen. Oder den, daß wichtige Sachen wie Nahrung gern gehortet werden. Das grenzt die Möglichkeiten des Hauptaufenthaltsortes schon etwas ein.
b) ich hab mir eine Weile lang den Kopf zerbrochen, wieso bei den Überfällen unterm Strich immer nur die wie durch ein Wunder unverletzt gebliebenen Angestellten geraubt werden – insbesondere, wenn man dann bedenkt, daß es unter den Besuchern dieser Einrichtungen horrend viele Opfer gibt. Es trifft fast nur Squatter, also Leute, die generell nicht besonders gesund sind. Jetzt wissen wir, daß die UB ja von den Insekten unterwandert, wenn nicht gar gegründet wurde. Und was brauchen die? Gesunde, unvercyberte Körper. Sozusagen kontrollierter biologischer Anbau. Überflüssig zu erwähnen, daß Leute, die für die UB arbeiten, genau auf dieses Schema passen.
Bliebe noch zu klären, was die Jungs heute so alles veranstalten, denn wie bereits mehrmals erwähnt, sind die Videos alt. Nichtsdestoweniger haben sie alle, d.h. Schamane, Einkaufskolonne und möglicherweise Brutpflegeabteilung auch heute noch Hunger. Sie scheinen also inzwischen eine effizientere Form der Nahrungsbeschaffung entwickelt zu haben, oder zumindest eine, die noch nicht aufgeflogen ist.“ Nach einer kurzen Kunstpause fuhr er fort: „Na ja, sie scheinen zumindest ihre alte Form als Gangschläger nicht ganz vergessen zu haben, wenn man an leons Schieber denkt. Den wollten sie zumindest nicht als Futter mitnehmen. Der scheint ihnen eher aus anderen Gründen vor die Klinge gehüpft zu sein. Welch Gründe ihre Taten lenkten… tja, da muß ich passen.“ Er hob entschuldigend seine Schultern.

Dust kicherte. „Schon gut, Mann. Hellsehen ist immer noch keine Einstellungsvoraussetzung fürs Krokodilhaus.“ Autsch. Dusty, Dusty, das war ein Fettnäpfchen. Ich konnte sehen, daß Ators Gesicht einen leicht grünlichen Ton annahm, und da wir echt gerade wirklich wichtigeres als einen kleinen Zank vor uns hatten, fühlte ich mich genötigt, jetzt zu intervenieren. Bevor der Schamane zu einer scharfen Erwiderung ansetzen konnte, ergriff ich das Wort:

„Miß Rocks, … Sie als langjährige Aztech-Mitarbeiterin sollten doch wissen, daß…“
Dust unterbrach mich erwartet empört: „Hallo? Mein früherer Arbeitgeber heißt ARES MACROTECH, bitteschön!“ Ich bleckte die Zähne.
„Siehste. Genauso geht es einem Alligatorschamanen, wenn man ihn als Krokodil bezeichnet. Das dürfen nur manche Leute – und das auch nur manchmal. Soll heißen: unser Telefonat von vorhin war eins zwischen dir und mir und geht Mr. Gilla nix an. ¿Comprendes?“ Dabei grinste ich Ator derart unverschämt an, daß selbst ein betrunkener Vollidiot verstanden hätte, daß ich in dieser Hinsicht auch mit mir selbst gern mal weniger streng war. Aber ich kannte Ator auch schon ein paar Tage länger und wußte, wie weit ich gehen konnte, ohne ihn wirklich zu verärgern.

„Okay, okay, sorry. War nicht so gemeint“, begann Dust ihre Entschuldigung, aber Ator winkte ab. Für ihn war die Nachricht angekommen. Auf meinen Wink sprach er weiter.

„Was mir nur überhaupt nicht in den Brägen will, ist, warum JD ausgerechnet jetzt auf Solotour geht. Habt ihr bei der letzten Besprechung gemerkt, daß er ständig am Tablet hing? Mir kam es so vor, als hätte er schon vorher mal was von dieser Gang gehört und wollte sich nur versichern, daß die Freaks aus leons Erzählung wirklich die sind, die er schon mal auf’m Schirm hatte… oder immer noch hat.“

Ich nickte unwillkürlich und stellte mit Erschrecken fest, daß die anderen beiden, also leon und Dust, dieselbe Bewegung machten.

Ator holte tief Luft. „Das bedeuteeeeet, …“ er zog das „e“ in die Länge, um uns alle der Reihe nach anzusehen, „daß wir dann jetzt vielleicht einfach mal den Koffer aufmachen könnten, um herauszufinden, was unseren schweigsamen Kollegen denn so bedrückt. Oder wollen wir nur spekulieren, bis es zu spät ist? Ich möchte jedenfalls nicht bis 14 Uhr warten, um dann im Nachhinein herauszufinden, daß wir ihn, wenn wir eine Stunde weniger lange gewartet hätten, noch aus der Kacke hätten ziehen können.“ Sprach’s und drehte den Koffer so herum, daß die Verschlüsse in meine Richtung zeigten.
Oh. Kofferöffnen. Mein Lieblingsspiel.

Den Hauptteil des im Koffer zur Verfügung stehenden Platzes nahm Johns Ausrüstung ein, von der wir schon verschiedene Komponenten in Benutzung gesehen hatten. Ein Wanzenscanner, ein White-Noise-Generator, ein Magschloßknacker, eine kleine Flachtasche mit Spezial-Elektronikwerkzeug, zwei Datenchips, ein Datasniffer mit Glasfaser-Injektoren – der übliche Krempel eines Security- und Technofritzen. Acht Credsticks. Ein Voice-Recorder, eine Puderqaste mit drei verschiedenen Pulversorten. Obenauf ein Brief. Dust schaltete zuerst. „Verdammt“, sagte sie langsam, „das war’s dann wohl finalerweise.“

leon äugte ins Gewirr der Gegenstände, konnte aber nichts gefährliches finden. Ator war versucht, den Koffer astral zu untersuchen, stutzte dann aber wegen des Briefes und nahm ihn mit spitzen Fingern auf. „Deswegen?“ Er schien sich zu fragen, ob sie jetzt hellsehen konnte und schon wußte, was dort geschrieben war.

Ich hatte beim Öffnen des Koffers schon wieder so eine Flash-Eingebung gehabt, die mit einem Sprengsatz zu tun hatte, der uns alle in feuchten Bröckchen an die Wand spratzen würde, und war ob des Ausbleibens der Detonation ein wenig unachtsam gewesen. Daher hatte nicht ich den ersten Blick in den Koffer geworfen. Um das nachzuholen, stellte ich mich auf Zehenspitzen, um den gesamten Kofferinhalt überblicken zu können. Nach einer Sekunde war mir klar, was Miß Rocks gesehen – oder besser: vermißt – hatte. Ich würgte mit matter Stimme ein Wort heraus: „Fuck.“

Leon trat einen Schritt zurück. „Cosa intendi, nano?“ Ihr schwante, daß sie etwas entscheidendes übersehen hatte, und wie so oft, wenn sie angespannt  war, wechselte sie unwillkürlich in ihre Heimatsprache. Da ich jedoch fließend Spanisch sprach, konnte ich zumindest erfassen, was sie ausdrücken wollte.

„Ach Leon“, seufzte ich, wobei sich mir ein tadelnder Tonfall in die Stimme mischte, ohne daß ich es beabsichtigt hatte. „Nicht immer ist das, was man sieht, das Problem. Hier ist ganz eindeutig das, was man nicht sieht, worum ich mir jetzt echt einen Haufen Sorgen mache.“ Zur Verdeutlichung zielte ich mit dem Zeigefinger auf leon und machte „pew“. Deren Augen weiteten sich. „Merda.“ Jetzt war auch ihr klargeworden, daß John sich auf einer Mission befand, bei der er nicht mehr damit rechnete, lebend zurückzukommen.

„Äh“, machte sich Ator bemerkbar, der inzwischen den Brief überflogen hatte, „das les‘ ich jetzt einfach mal vor. Das erklärt nämlich so ziemlich alles. Hinsetzen und festhalten:

Hi,

wenn ihr das hier lest, bin ich offensichtlich nicht in der Lage gewesen, etwas substanzielles über den Verbleib meiner Schwester herauszufinden und mich dabei so flach zu halten, daß ich es bis zurück zu euch geschafft hätte. Für diesen Fall hab ich vorgesorgt. Die Datenchips sind für euch. Der eine enthält ein Dossier über eine Renraku-Angestellte mit dem Namen „Janet Brody“ – meine Schwester. Sie wird seit dem 24. März 2053 um 16:53 vermißt, als während eines ehrenamtlichen Einsatzes in einer Suppenküche der Universellen Bruderschaft die Einrichtung von unbekannten Kriminellen gestürmt, die Belegschaft entführt und unter den anwesenden Hilfsbedürftigen ein Massaker angerichtet wurde. Dieselben Kriminellen, die gestern leons Schieber verstümmelt haben. Der andere enthält alles, was ich über die Spidermen finden konnte. Es ist nicht viel, aber ich hoffe, ich kann euch damit den Frust ersparen, den man unweigerlich ansammelt, wenn man etwas wirklich finden will und niemand eine Ahnung zu haben scheint, wo das Gesuchte versteckt ist.

Ich weiß, ihr seid Runner und arbeitet für Geld. Im Koffer sind acht Credsticks. Gerecht aufteilen. Das gilt auch und gerade für den Herrn Alligatorschamanen. In deutlichen Worten: jeder bekommt exakt gleich viel Nuyen, klar?

Findet sie, oder findet ihre Mörder, oder findet heraus, was warum passiert ist.

Wir sehen uns auf der anderen Seite,

Max „JD“ Brody.

Ich mußte es einfach wiederholen. „Fuck“.

*

Zwei Stunden später schaltete ich das Gerät aus, mit dem ich den Chip durchforstet hatte. Inzwischen war ich hundemüde. Es ging auf 0630 zu und für mich war der Abend echt lang gewesen. Dafür wußte ich jetzt bescheid. So weit man das sagen konnte.

Die Spidermen waren zahlenmäßig eine eher kleinere Gang – die Daten sagten etwas im Umfang von ca. 40 Personen – eine eher niedlich zu nennende Mitgliederzahl verglichen mit den großen Gangs oder den Triaden, Yaks oder Mafia-Splitter. Sie waren im ganzen Sprawl mit „Schuldentilgungsvorschlägen“ und „unterstützenden Motivationstrainingseinheiten“ aktiv und hatten damit ein erheblich größeres Einzugsgebiet als die normalen sehr lokal und auch territorial agierenden Straßenbanden. Interessanterweise schienen die Hood-Gangs entweder an der Wahrung ihrer Kiezgrenzen nicht besonders interessiert, oder die Spidermen schafften es immer wieder, durch die Netze der Aufpasser zu schlüpfen. Netze. Haha. Verstehste? Oh Mann, ich war wirklich müde.

Immerhin bestätige der Chip mir, daß der große Troll – Butcher – wirklich ein Geldeintreiber bei der Yakuza gewesen war. Er war es auch, der in den Audio- und Textdateien besonders oft auftauchte. John schien, so wie die Dateien verknüpft waren, ein Bewegungs- und Reichweitenprofil des Trolls erstellt zu haben, um etwas über dessen Aktionsradius herauszufinden. Man würde annehmen, daß er sich im Mittel aus seiner Zentrale in alle Richtungen gleich weit entfernen würde, um seiner „Beratungstätigkeit“ nachzugehen, allenfalls modifiziert durch die Geographie unserer schönen Heimatstadt sowie gewisser für Leute wie ihn weniger einfach zugänglicher AAA- und Villengebiete, in denen er wahrscheinlich nicht einmal ausatmen dürfte, ohne sofort von einem Aufruhrbekämpfungsteam der örtlichen Schläger-in-Uniform-Brigaden umstellt zu werden. Doch richtig signifikant waren die Bewegungen nicht. Es ließ sich allenfalls eine sehr leichte und nur mit viel gutem Willen unter Zuhilfenahme dreier zugekniffener Augen etwas bevorzugte Gegend seines Erscheinens ausmachen, die sich grob mit Hell’s Kitchen deckte, jener durch den Ausbruch des Mt. Rainier 2017 besonders schwer verwüsteten und von der Stadt aufgegebenen Ecke Puyallups, in der, wie es die Straße sagte, man nicht einmal unbemerkt furzen könne, weil man dabei die in der Luft umherfliegende Asche verwirbelt, was natürlich jeder sehen kann. Andererseits war es wiederum kein Wunder, daß Leute wie Butcher sich bevorzugt dort herumtrieben, wo staatliche Intervention nicht vorhanden war.

Ich war also im Bilde, und kaum hatte ich das erkannt, fiel mein Blickfeld langsam in sich zusammen, und ich schlief mit dem Gesicht auf der Tastatur ein.

Weiter mit MeL 30

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Kommando „The Watcher“: 4. Abschlußbericht / Timecode 15.09.2062

Die Runner des Team POLYCHROM waren überzeugt mit ausreichend Feuerkraft gegen den Feind eine Chance zu besitzen und forderten schwerere Waffen und Sprengstoff an, um sich dem Wesen erneut zu stellen.
Beides traf gegen Mittag des 12.09.62 in unserem Basislager ein.
Male Rigger baute aus dem gelieferten Sprengstoff eine 16kg C-12-Bombe, die ausreichend Explosionskraft entwickeln sollte, um den Feind zu besiegen oder notfalls die Decke über ihm zum Einsturz zu bringen.
Die Runner zeigten sich mit dem gelieferten Material zufrieden, bestanden aber auf einer weiteren Aufklärungsmission, bevor sie sich dem Feind stellen wollten.

Miss Drake und ich verblieben im Basislager, während die Seattler Runner gemeinsam mit Vlad und Sunrise am Abend des 12.09.62 Richtung Alchera aufbrachen. Da eine Konfrontation mit dem Feind nicht geplant war, verblieb die schwere Ausrüstung, sowie der Sprengstoff im Basislager.

Letzter Funkkontakt mit den Runnern bestand gegen 23.40 Uhr. Sie meldeten sich von der Grenze der Alchera „Parlainth“, die sie danach überschreiten wollten.
Über ihren Verbleib ist seither nichts bekannt.
Die Male Rigger zur Verfügung gestellten Drohnen dürften somit verloren sein. Dennoch darf die Expedition nicht als völliger Fehlschlag gewertet werden.

Neben Erkenntnissen über den FEIND konnten folgende materielle Komponenten gesichert werden:
1. Wurfspeer des Metall-Golems
2. Elementare Erde, Feuer, Wasser, Luft in Behälter „SAMPLE Par2_box_1 – 4“
3. Bildmaterial dreier Wandgemälde „Wallpaper1-3.pic“
4. Bildmaterial unbekannter Schriftzeichen „alphabet.pic“
5. Meerwasserprobe aus unbekanntem Meer in Behälter „SAMPLE Par2_box_5“
6. Schlammprobe aus unterirdischer Anlage in Behälter „SAMPLE Par2_box_6“
7. Mehrere Stunden Bildmaterial aus der Alchera „Parlainth“

Am 13.09.62 schickte ich auf Geheiß von Lichtschwert No.2 Lichtkobolde an die verschollenen Runner, habe aber bis zum heutigen Tag keinerlei Reaktion erhalten, so daß ich davon ausgehen muss, daß sie tot, nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, mit uns in Kontakt zu treten.
Miss Drake wurde am selben Tag von Lichtschwert No.2 im Basislager abgeholt und ich erhielt letzte Instruktionen zur zukünftigen Zusammenarbeit mit dem Loremaster.

Die Ergebnisse aus der Zusammenarbeit mit dem Loremaster werden in einem späteren Bericht zusammengefasst.

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NSC: Lofwyr

Name: Lofwyr
Rasse: Draco occidentalis sapiens
Beruf: Präsident und Vorstandsvorsitzender von Saeder-Krupp Corporation
Aufenthalt: Royal Hill, Portland, Tir Tairngire / SK-Arkologie, Essen, ADL
Zugehörigkeit: Saeder-Krupp Corporation, Prinzenrat, Großdrachen
Verbindungen: H.Brackhaus, R.Bremen, Y.de Kervelec, A.Dupree/Sluage, Goronagee, D.Knight, K. Montejac, Nebelherr, Neko, J-C.Priault, A.Shepherd, J.Skater, T.Steele, L.Surehand, Walter, A. III von Westrhein-Luxemburg, Multitech International, Sehergilde
Gegenspieler: Aden, Alamais, J.Ni´Fairra, W.Graff-Beloit, Kaltenstein, Prinz Laverty, Leonardo, Mujaji, Nachtmeister, G. Oakforest, J.Spinrad, Nachtmacher
Hintergrund:
Lofwyr erschien erstmals im März 2012 in Mäuserburg in der Eiffelregion auf dem Gebiet des Großherzogtums Luxemburg (heute Westrhein-Luxemburg) und unterhält bis heute Beziehungen zum dort regierenden Adelshaus, insbesondere zu A. III von Westrhein-Luxemburg.
Lofwyr ist ein westlicher Großdrache mit goldenen Schuppen, die ihm den Namen Gold-Master unter seines Gleichen eingetragen haben, und langen nach hinten gebogenen Hörnern. Er gilt als eines der mächtigsten Individuen der 6.Welt und es darf als sicher angenommen werden, daß Lofwyr bereits in der 4.Welt aktiv war und einige seiner Verhaltensweisen ihre Begründung möglicherweise in dieser Vergangenheit finden. Insbesondere sein Verhältnis zu anderen Großdrachen und unsterblichen Elfen, wie Ehran und Aina.
Wenige Wochen nach seinem Auftauchen kam es zu einem spektakulären Luftkampf zwischen ihm, Nebelherr und Kaltenstein, der mit dem Absturz von Kaltenstein endete, da L. Nebelherr unterstützte.
Lofwyr erwarb mit dem Gold aus seinem Hort Mitte der dreißiger Jahre durch geschickte Aufkäufe, durch verschiedene Holdinggesellschaften, die Aktienmehrheit an der Saeder-Krupp Corporation.
Im August 2035 wurde Lofwyr auf Drängen des Hochprinzen L.Surehand und gegen den Widerstand von Ehran und J. Ni`Fairra, mit knapper 4:3-Mehrheit, Mitglied des Prinzenrates von Tir Tairngire.
Als er 2037 seinen Anspruch auf den Platz des Vorstandsvorsitzenden von Saeder-Krupp erklärte, offenbarte er eine Aktienmehrheit von 63% und so wurde er Saeder-Krupp.
Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Verbannung der Witwe, des SK-Gründers, W. Graff-Beloit ins Zürich-Orbital. Direkt im Anschluss ernannte sich Lowfyr zum Präsidenten der Saeder-Krupp Corporation und regiert sein Imperium seither mit eiserner Hand.
Seit 2038 gehört Lofwyr der komplette Konzern.
2042 kursierte eine Veröffentlichung unterzeichnet mit „Goronagee“ durch die Matrix, die in einer dem Sperethiel ähnlichen Sprache abgefasst wurde und bis heute nicht übersetzt werden konnte. Es wurden aber einzelne Namen identifiziert: Aden, Alamais, Bergschatten, Dunkelzahn, Lofwyr, Schwartzkopf und Mistish ti goronagee.
Gerüchten zufolge erscheint Lofwyr seit Ende der 40iger Jahre unter der Identität H.Brackhaus in der weltweiten Schattengemeinde.
2052 geriet Lofwyr mit G. Oakforest aneinander, als dieser versuchte ein Drachennest zu zerstören. Lofwyr hatte das Spiel des Elfen jedoch durchschaut, bevor es überhaupt begann und einen Runner namens Neko eingeschleust. Mutmaßlich diente G. Oakforest aber nur als Marionette für einen anderen Großdrachen: Alamais.
2053 wurde der Großdrache Alamais als Unterstützer/Anführer der Nachtmacher identifiziert und die Feindschaft der beiden erneut untermauert.
Daneben gibt es immer wieder Hinweise, das der Großdrache Aden Unternehmungen von Saeder-Krupp im Nahen Osten gezielt sabotiert, möglicherweise, um Lofwyrs Einfluß zu begrenzen.
L. Verhältnis zu Kaltenstein ist wegen der gewaltsamen Auseinandersetzung beider Großdrachen 2012 und wegen Kaltensteins ökologischer Agenda vermutlich belastet, auch wenn beide mutmaßlich an einem Strang zogen, um 2044 den Süddeutschen Bund in die Knie zu zwingen.
Nachtmeister begegnete L. auf dem Finanzparkett, wo er mit zinsgünstigen Krediten für Ruhrmetall, einen direkten Konkurrenten von S-K, versuchte die Vormachtstellung von S-K und damit L. zu brechen.
Der bayerische Drache Nebelherr steht dagegen, spätestens seit dem Eingreifen L.s 2012, in L.s Schuld, was so etwas, wie einen Vasallenstatus L. gegenüber begründet.
2054 soll L. durch sein Konstrukt H.Brackhaus, an einem Run teilgehabt haben, der mit der Neueinsetzung von A. Shepherd in eine Führungsposition bei Multitech International Seattle endete.
Ende November 2055 wurde bekannt, daß es bereits am 25. August 2055 zu einem Treffen des Präsidenten T.Steele, Lofwyr, den Prinzen Ni`Fairra, und Laverty und einer Abgesandtschaft aus Tir na N`og kam, bei dem verschiedene Lösungen für das „Chicago-Problem“ diskutiert wurden.
Gerüchten zufolge soll Lofwyr für den großflächigen Einsatz von Massenvernichtungsmitteln zur Eindämmung des Problems plädiert haben. Der Präsident widersprach dem Ansinnen des Großdrachen und wurde hierbei insbesondere durch Prinz Laverty unterstützt.
Nachdem D.Knight via Matrixkonferenz hinzugeschaltet wurde, der sich ebenfalls gegen diese Lösung ausgesprochen haben soll, begannen am nächsten Tag die Abwürfe mit Versorgungsgütern über der Stadt.
2056/57 soll Lofwyr in die Aktienmanipulationen um den, in Tir Tairngire beheimateten, Konzern NuGene Incorporated verwickelt gewesen sein, in deren Verlauf er von J.Skater kontaktiert wurde, der keine andere Möglichkeit sah, als den Großdrachen um Unterstützung zu bitten.
Gerüchten zufolge soll Lofwyr persönlich den Dekan der Sehergilde, Y.de Kervelec, für einen jährlichen Besuch bezahlen.
2057 erbte der Drache von Dunkelzahn das Juwel der Erinnerung.
Seine Einmischung in von Hans Dechant und seinen politischen Freunden in Österreich angezettelte Intrigen um den Einsatz einer magischen Substanz namens Wiener Blei im Spätsommer ’58 führten letzten Endes zur Vereitelung dieses Plans. Dechant verkaufte seinen MediaSim Konzern an Mitsuhama, damit dieser nicht Lofwyr in die Klauen fiel.
2059 tauchte Lofwyr im Refugium Leonardos in Nordafrika auf. Er zerstörte vermutlich ebenfalls persönlich Leonardos Observatorium in Ahvaz und heuerte eine lokale Bande an, die die verbliebenen Renraku-Truppen vertreiben und die Überreste sichern sollte. Alle Arbeiten, die am Großen Werk Leonardos bereits vollbracht worden waren, wurden damit vernichtet. Es scheint beinahe, als habe Lofwyr versucht jeden Beweis seiner Existenz zu vernichten.
Im Juni 2062 verließ Lofwyr aus ungeklärten Gründen den Prinzenrat von Tir Tairngire.
Am 21.06.2062 kam es zu einem Luftkampf zwischen Lofwyr und dem Großdrachen Nachtmeister über dem Frankfurter Luftraum, aus dem Lofwyr als Sieger hervorging.
Nach einem rituellen Nachfolgewettstreit, in den unter anderem die Teams Partei X und POLYCHROM verwickelt waren, wurde Lofwyr der Nachfolger von Dunkelzahn als Loremaster.
Matrixname:

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